Gemeinsam etwas für das Kulturgut Mühle bewegen
Netzwerktreffen von Mühlenenthusiasten aus dem Norden
Potsdam (cme). Ihr Engagement zum Erhalt des Kulturgutes Mühle untereinander und innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM) wollen die DGM-Landesverbände Berlin-Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen-Bremen und Hamburger Mühlenvereine enger vernetzen. Konkrete Ideen loteten Vertreter unlängst in Potsdam aus.
So will das „Netzwerk DGM-Nord“ die informativen und gut besuchten Herbstsymposien des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern künftig für alle DGM-Mitglieder öffnen. „Zudem werden wir die Tagungen gemeinsam vorbereiten. Dies erleichtert die Suche nach Themen und geeigneten Referentinnen und Referenten“, blickt MV-Landesvorsitzender Jan Bauditz voraus. Ein Themenspeicher sei bereits angelegt worden. Konkreten inhaltlichen Bedarf sieht die Runde bei der Dokumentation und Erfassung von Mühlen und den Themen Windrecht sowie Denkmalschutz und Umfeldschutz.
Wünschenswert: mehr Schwung für die „Via Molina“
Ein weiteres Thema war das Projekt „Via Molina – die Europäische Kulturstraße der Mühlen“. Diese Idee wurde 2018 von Mühlenorganisationen in Dänemark, Deutschland und den Niederlanden gegründet. Das Projekt möchte Mühlenrouten in ganz Europa für die Öffentlichkeit zugänglich machen und hofft, vom Europarat zertifiziert zu werden. Die Mühlenvereinigung Berlin-Brandenburg bereitet seit 2024 das Projekt „Via Molina Pomerania“ aktiv vor. In MV gibt es bereits die vom DGM-Vorstand bestätigte „Via Molina - Ostseeroute Vorpommern“ und jüngst gründete sich die „Via Molina Mecklenburg“.
„Innerhalb der DGM sollte die einst berufene AG Via Molina mit Vertretern aus den Landes- und Regionalverbänden neu belebt und mit einer engagierten Leitungsperson besetzt werden“, schlug Christian Meyer aus MV vor. Zu klären sei ebenso, wie interessierte Mühlen in Schleswig-Holstein und Hamburg repräsentiert werden können, da deren Landesvorstand eine Unterstützung der Via Molina-Idee bisher ablehne. Darüber hinaus braucht es mehr Öffentlichkeit für das Via Molina-Projekt. „Die Internetseite www.viamolina.eu ist ausbaufähig bzw. jede Route sollte eine eigene Seite bekommen, damit alle relevanten Informationen für Interessierte auch abrufbar sind“, so Michael Caspers aus Berlin-Brandenburg.
Standardisieren: Ausbildung von Freiwilligen Müllern
Am Herzen liegt den Mühlenenthusiasten im Netzwerk Nord ebenso die Müllerausbildung. „Mit der Müllergilde haben wir dabei einen kompetenten Ansprechpartner“, so DGM-Vizepräsident Carsten Schmidt, der die Hamburger Mühlen vertritt. Notwendig sei die in der Januar-DGM-Vorstandssitzung 2024 angedachte Arbeitsgruppe „Praktische Müllerei und Mühlenbau“ zu etablieren. Diese könnte ein Baukastensystem mit klaren und verbindlichen Standards für ganz Deutschland zur Aus- und Fortbildung von Freiwilligen Müllern erstellen sowie bei Restaurierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen von historischen Mühlen beraten.
„Unser gemeinsames Ziel sollte es sein, die Anzahl mahlender Museums- und Handwerksmühlen zu steigern. Gleichwohl soll kein Zwang seitens der DGM auf die Mühlen ausgeübt werden, wie es in Holland der Fall ist“, so DGM-Vizepräsident Gundolf Scheweling aus Niedersachsen. Angesichts dessen, dass die Mühlenbauer in Deutschland bisher nicht untereinander vernetzt bzw. organisiert sind, wurde darüber hinaus überlegt, wie sich diese – vielleicht mit Hilfe der DGM – als Plattform zusammenfinden könnten, damit „deren Kompetenz noch gezielter in den Erhalt der historischen Mühlen einfließen kann“.
Nutzen: digitale Möglichkeiten zur Dokumentation und Mühlenkunde
Mühlenfreund Rüdinger brachte eine Idee im Blick auf digitale Dokumentation und Mühlenkunde ein. So sollte geprüft werden, ob die vom Freilichtmuseum am Kiekeberg 2003 herausgegebene Bibliografie deutschsprachiger Mühlenliteratur von 2003 aktualisiert neu erscheinen könnte. Hier wird eine Zusammenarbeit mit dem Kiekeberg und dem Internationalen Mühlenmuseum Gifhorn allseits befürwortet, was zudem auch auf die angestrebte stärkere Vernetzung der DGM mit mühlenrelevanten Akteuren beiträgt. Zudem verwies er auf das TIMS-Wörterbuch, deren aktuelle Version auf der Internetseite https://www.molinology.org/index.php/publications/tims-dictionary-of-molinology abrufbar ist.
Nach ihrem produktiven Austausch unternahmen die Vertreter einen Rundgang durch den Schlosspark und besichtigen die Historische Mühle von Sanssouci, deren Flügel sich im Wind drehten. Frei nach dem Motto der DGM: „Wir.Bewegen.Mühlen“.